SPD-Experte warnt: Ohne Impfzwang werden wir die Masern nie los!

Donnerstag, 11. April 2019
Impftalker (v.l.): Oxana Giesbrecht, Ursula Hilpert-Mühlig, Karl Lauterbach, Sandra Maischberger, Jacqueline Klaus, Claudia Kleinert, Natalie Grams © WDR/Melanie Grande

„Maischberger: Misstrauen gegen Schulmedizin: Weiße Kittel, nein danke?“ ARD, Mittwoch 10.April 2019, 23 Uhr.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ mit drastischen Worten vor der Rückkehr ansteckender Krankheiten wie jüngst der Masern gewarnt.

Wörtlich sagte der Politiker: „Ohne Impfpflicht werden wir die Masern nicht ausrotten. Mit Aufklärung versuchen wir es schon lange, aber das klappt nicht, weil wir Ärzte gegen das Internet nicht ankommen.

Denn, so der an der berühmten US-Universität Harvard studierte Mediziner: „Wir haben es zunehmend schwer, die Patienten zu überzeugen. Die Leute gehen nach Hause und ins Internet. Und im Netz verbreiten sich die Falschmeldungen viel schneller als die Wahrheiten.“

Lauterbachs knallharten Forderungen: Impfpflicht für Masern und Strafen für skeptische Ärzte!

Erschütterndster Fall

Talk-Gast Oxana Gisbrecht erzählte, wie sich ihr kleiner Sohn beim Arzt durch ein nicht geimpftes Kind mit Masern infizierte. Schreckliche Folge: Fünf Jahre später erkrankte der Junge an der schweren Hirnhautentzündung SSPE. Zwei Monate später konnte er nicht mehr sehen, sprechen, schlucken. Neun Jahre lang war er ein Pflegefall. Dann starb er.

Die ARD-Wetterfee Claudia Kleinert war trotzdem gegen die Impfpflicht: „Ich bin dafür, die Eltern besser aufzuklären…“ Sie hat zwar Bankkauffrau gelernt, war aber eingeladen, weil sie „auch alternative Medizin nutzt“.

Die Heilpraktikerin Hilpert-Mühlig, Präsidentin des Fachverbands ihrer Zunft und mit einem Chirurgen verheiratet, lehnte Lauterbachs Forderung ebenfalls ab, mit ziemlichem Geschwurbel: „Immer gleich mit Pflicht zu kommen schlägt eine Kerbe in unsere Gesellschaft…“

Schwerster Vorwurf

Ein ARD-Einspieler zeigte den Fall eines Heilpraktikers, der nach drei Todesfällen jetzt in Krefeld vor Gericht steht. Präsidentin Hilpert-Mühlig wollte den Fall gleich abhaken: „Er hat nicht nur seine Kompetenzen überschritten, sondern sogar Gesetze gebrochen!“

Doch für die Ärztin und Ex-Heilpraktikerin Natalie Grams war das Thema damit noch lange nicht durch: „Heilpraktiker werden immer als kleine Ärzte mit viel Zeit für jeden Patienten wahrgenommen“, schimpfte sie, „dabei können sie nur Suggestion anbieten. Das ist eine schillernde Seifenblase! Die Homöopathie ist sanft, schonend, nebenwirkungsfrei – und wirkungsfrei!“

Witzigstes Beispiel

Prompt gerieten sich die aktuelle und die ehemalige Heilpraktikerin in die Wolle, es ging um Chakren, Fußreflex-, MacKenzie- und Head‘sche Zonen. Puh!

Lauterbach würgte die Diskussion schließlich mit einer Anekdote aus Harvard ab. Dort hatten Akupunktur-Profis Beschwerden geheilt. Nach ihnen durften auch Studenten ohne jegliche Vorkenntnisse Nadeln in Patienten stechen. Und auch diese fanden sich geheilt.

Bester Konter

„Bei der Akupunktur geht es nur um den Akt des Nadelns“, triumphierte Ärztin Grams. „Was sie treffen, Chakren oder sonst was, spielt dabei überhaupt keine Rolle!“

Hilpert-Mühling gab sich jedoch nicht geschlagen: „Wenn wir jetzt eine Studienschlacht führen…“ setzt sie an. Weiter kam sie aber nicht, denn Lauterbach grätschte sie gleich ab: „Die würden Sie aber verlieren!“

Traurigste Erzählung

Zuletzt schildert Talk-Gast Jacqueline Klaus den schweren Tod ihres Vaters: Ballistiker, Ökonom, 58 Jahre, kleiner Knoten im Hals, Diagnose Lymphdrüsenkrebs.

Nach der Operation hätte er mit einer Chemotherapie eine 90prozentige Heilungschance gehabt“, berichtet die Tochter jetzt. Doch leider lief dem Vater ein Schulfreund über den Weg, der sich „Heiler“ nennt, obwohl er weder Arzt noch Heilpraktiker ist. 

Gespenstischster Fall

Der Scharlatan betrieb eine „Akademie für Selbstheilung“ und erzählte dem Freund von dem berüchtigten Krebspfuscher Ryke Geerd Hamer, dessen „Germanische Neue Medizin“ über 80 Todesfälle hinterließ.

Kleins Vater glaubte so fest an den Betrug, dass er sich gegen den Rat seiner verzweifelten Angehörigen jahrelang „behandeln“ ließ, bis er schließlich  unter großen Schmerzen an mehreren Tumoren starb.

Bitterste Erkenntnis

Es war wie eine Gehirnwäsche“, sagte die Tochter jetzt über ihren Vater. „Es war einfach kein Rankommen an ihn.“

Und Lauterbach kann Betroffenen in solchen Fällen keine Hoffnung machen. Einem Arzt oder Heilpraktiker könne man die Zulassung entziehen, stellte der Politiker fest, doch: „Wenn ein Patient sich selber aufgibt, können wir leider nichts dagegen tun.“

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