Wenn Heiligtümer brennen

Montag, 15. April 2019

Die Katastrophe von Notre Dame führen eine lange Geschichte durch Feuer zerstörter Sakralbauten fort. Die Erinnerung an solche Tragödien gräbt sich für immer in das Gedächtnis der Menschen ein.

356 v. Chr. Der geltungssüchtige Grieche Herostratos steckt den Artemistempel von Ephesus, eines der Sieben Weltwunder, in Brand: Das Feuer soll ihn für immer unvergesslich machen, und das gelingt ihm auch.

404 n.Chr. Als der hl. Johannes Chrysostomos vom Kaiser in die Verbannung geschickt wird, brennen empörte Anhänger in Konstantinopel die berühmte Hagia Sophia nieder. Heute ist sie ein Museum, doch Erdogan will sie zur Moschee machen.

1450 Der Dom von Speyer, Grabstätte der mittelalterlichen Kaiser und Könige, geht in Flammen auf. Papst Nikolaus V. finanziert den Wiederaufbau mit Ablassgeldern: Sünder dürfen sich von den angedrohten Höllenstrafen freikaufen.

1532 Beim Brand der Sainte-Chapelle im französischen Chambery kann das berühmte Grabtuch Christi gerade noch gerettet werden. Danach wird es in den Dom von Turin übertragen – mit deutlich sichtbaren Brandlöchern.

1906 Ein Blitz setzt Hamburgs berühmten „Michel“ in Brand. Der Türmer, der mit seiner Trompete warnen soll, schafft es nicht mehr zur Treppe und geht vor den Augen seiner Tochter auf seinem Turm unter.

1914 Im Ersten Weltkrieg schießt deutsche Artillerie die Kathedrale von Reims, in der viele französische Könige begraben liegen, in Brand. Das Bleidach schmilzt, die mittelalterlichen Glasfenster bersten.

1938 In den Novemberpogromen stecken fanatische Nazis über 1.400 Synagogen und Betstuben in Brand. Es ist der Prolog zum beispiellosen Verbrechen der Judenvernichtung.

1945 Durch ein brennendes Gerüst am Nordturm geht kurz vor Kriegsende das Dach des Wiener Stephansdom in Flammen auf. Die 20 Tonnen schwere Glocke „Pummerin“ stürzt in die Tiefe und zerbricht.

1992 In Bergen geht Norwegens berühmte Stabkirche Fantoft durch Brandstiftung unter. Der Rockmusiker Varg Vikernes gerät in Verdacht, als er erklärt, sie habe „auf heidnischem Boden gestanden“. Aus Mangel an Beweisen wird er freigesprochen, aber wegen dreier anderer Kirchenbrandstiftungen verurteilt.

1994 Nach Dachdeckerarbeiten am Deutschen Dom in Berlin frisst sich Feuer unter dem Kupferblech in die Höhe. Die Feuerwehr kämpft mehrere Stunden lang gegen die Flammen und kann die berühmte Kuppel retten.

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