Sigmar Gabriel lehnt vorzeitigen Kanzlerwechsel ab

Donnerstag, 9. Mai 2019
Champions der Alphaklasse: Talkmasterin Sandra Maischberger mit Sigmar Gabriel und Roland Koch © WDR/Max Kohr

„Maischberger: Wohin steuert Deutschland?“ ARD, Mittwoch, 8.Mai 2019, 23.30 Uhr.

Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch deutlich gemacht, worum es seine Partei im Streit um einen möglichen vorzeitigen Rücktritt der Bundeskanzlerin geht.

Zwei Champions der Alpha-Klasse im Direktduell

In der Talkshow hatte der frühere hessischen Ministerpräsident Roland Koch (CDU) der SPD deshalb Vorwürfe gemacht. „Die Sozialdemokraten sagen, sie würden einen Wechsel von Angela Merkel zu Annegret Kramp-Karrenbauer nicht akzeptieren!“ ärgerte er sich und lederte los: „Das ist ein verdammt starkes Stück für eine Partei, die alle zwei Jahre den Vorsitzenden wechselt!“

Gabriel lächelte mokant: „Niemand hat bei uns etwas dagegen, dass die CDU einen neuen Parteivorsitzenden hat“, sagte er süffisant.

„Das wäre ja auch noch schöner!“ wetterte Koch.

Dialog des Abends  

„Die SPD ist in die Regierung gegangen, um das Land stabil zu halten“, behauptete Gabriel. „Und das ist gebunden an das Vertrauen zu Angela Merkel!“

„Ist es Angela Merkel gewesen oder die Liebe zu Deutschland?“ ätzte Koch daraufhin.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist de facto immer noch Generalsekretärin der CDU“, keilte Gabriel zurück. „Sie ist gar nicht Vorsitzende!“

„Wie kommen Sie denn darauf?“ staunte Talkmasterin Sandra Maischberger.

Klarste Ansage

Da ließ Gabriel die Katze aus dem Sack: „Wenn die CDU sagt, wir möchte unsere Parteivorsitzende in eine bessere Position bringen für den nächsten Bundestagswahlkampf, dann ist das ja eine ganz nachvollziehbare parteipolitisch egoistische Position!“

Aber, so der immer noch sehr populäre Ex-Parteichef: „Dann dürft ihr uns nicht vorwerfen, dass wir ab und zu neben dem ganzen Volk auch an die SPD denken. Wenn ihr jetzt den Kanzler wechseln wollt, dann werdet ihr euch andere Mehrheiten suchen müssen!“

Verbales Handgemenge

Gleich zu Beginn hatte die Talkmasterin die Stimmung angeheizt: Ein ARD-Einspieler zeigt eine Diskussion aus dem Jahr 2002. Gabriel damals zu Koch: „Sie sind ein wirklicher Maulheld!“ Koch zu Gabriel: „Sie aber auch!“

Dann verteidigte Gabriel seine Nachfolgerin: „Die Analyse, dass Andrea Nahles schuld sei am Niedergang der SPD, ist falsch. Ich wäre froh, wenn es so einfach wäre!“

Denn, so der Ex-Parteichef: „Früher ist die SPD sehr bodenständig gewesen. Jetzt fällt es uns oft schwer, diese Wurzeln zu halten.“

Bestes Beispiel

Dafür hatte Gabriel ein erstklassiges Exempel mitgebracht: „Ich habe mal meine Partei gefragt: Was passiert eigentlich, wenn bei euch einer in der Versammlung aufsteht und sagt, ich esse gerne Fleisch, ich rauche, ich fahre super gern in den All-inclusive-Urlaub nach Mallorca, ich gucke gerne RTL-Soaps, und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich noch an der Werkbank den Playboy hängen?“

Seine Schlussfolgerung damals: „Schmeißen wir den direkt raus, oder wird der erst Opfer von zehn Pädagogisierungsversuchen? Die Wahrheit ist: Der kommt nicht mehr, weil er weiß, dass er kulturell fremdelt.“

„Das Angebot der SPD, in ihrer derzeitigen Lage eine Bundestagwahl durchzuführen, muss natürlich auch mal erörtert werden“, höhnte Koch jetzt. „Ich bin nicht sicher, ob Frau Nahles dann vor Begeisterung die bei ihr doch möglichen Tänze aufführen wird!“ Uff!

„Sie haben prognostiziert: Nach den Europawahlen wird Angela Merkel nicht mehr Kanzlerin sein“, hielt Maischberger Gabriel vor.

Der SPD-Mann eierte ein bisschen herum, rafft sich dann aber auf und haute einen Schmetterball raus: „Ich habe noch nie Angst vor Wahlen gehabt!“

Schneidigste Frage

„Wieviel Schuld trägt Angela Merkel daran, dass da jetzt eine Partei rechts von der CDU entstanden ist?“ wollte Maischberger dann von Koch wissen.

Der Ex-Ministerpräsident kam ins Schwurbeln: „Natürlich gibt es eine Veränderung in unserer Gesellschaft, die auch die CDU dazu gebracht hat, eine Reihe von gesellschaftlichen Veränderungen mit zu betreiben, auch mit der Konsequenz, dass es den einen oder

anderen gibt, der das nicht mittragen will…“

Spannendste Begründung

Wir haben eine Schwierigkeit, das Thema Migration zu erklären, und die AfD hat davon profitiert“, erklärte Koch dann und gab zu: „Da hat die CDU, nicht nur Angela Merkel, nicht immer hundertprozentig klug agiert.“

Die AfD hat auch Nazis bei sich, aber sie ist in der Mehrheit eine deutschnationale Partei“ meinte Gabriel dazu. „Natürlich gibt es in Deutschland das Recht, deutschnational zu sein. Aber die AfD öffnet die Grenze zum Rechtsradikalismus!“

Letztes Gefecht

„Ist Angela Merkel am Ende des Jahres noch Kanzlerin?“ fragte Maischberger auf den Punkt.

„Das kann man nicht voraussagen, heute“, antwortete Koch vorsichtig, setzte aber noch eine Spitze: „Und das ist gut so! Warum sollen die Sozialdemokraten das so genau wissen!“

„Ist Andrea Nahes am Ende des Jahres noch SPD-Vorsitzende?“ wollte die Talkmasterin danach von Gabriel wissen. Die kurze Antwort: „Ja!“

„Sehen Sie: Der kann das!“ spottete Maischberger.

„Ja, der ist ja auch in einer anderen Lage als die CDU“, antwortete Koch. „Wir sind da ein bisschen weiter….“

„Das finde ich eine höchst interessante Formulierung!“ lachte Gabriel.

Koch gelang nur noch ein Haifischlächeln. „Wir wissen schon, wie die Zukunft der nächsten Stufe aussieht“, sagte er. „Das wissen Sie nicht. Da haben Sie ja Angst vor!“

„Oh, jetzt wird es aber zum Ende noch mal dicke!“ gab Gabriel zurück.

Und Maischberger wurde zum Schluss sogar übergriffig: „Die Maulhelden sind nicht ganz ausgestorben…“

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