Der Juso-Chef interessiert sich für die SPD-Chefin „einen Scheiß“

Donnerstag, 30. Mai 2019
Gastgeberin: Sandra Maischberger in ihrem Studio © WDR/Markus Tedeskino

„Maischberger: Der Wahlschock: Haben sich die Volksparteien überlebt?“ ARD, Mittwoch, 29.Mai 2019, 22.45 Uhr.

Juso-Chef Kevin Kühnert hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch seine Meinung zur politischen Zukunft seiner Parteivorsitzenden Andrea Nahles auf ungewöhnlich rüde Weise verdeutlicht.

Kurz vor Ende ihrer Talkshow hatte Moderatorin Sandra Maischberger dem 29-jährigen die Gretchenfrage des Abends gestellt: „Man braucht nicht nur eine Idee, man braucht auch jemanden, der sie durchs Ziel trägt. Offensichtlich gibt es in der SPD viele, die glauben, Frau Nahles ist das nicht mehr. Glauben Sie das auch?“

Daraufhin pumpte Kühnert mächtig Luft in den Brustkorb und antwortete: „Das interessiert mich einen Scheiß!“

Die Talkmasterin war verblüfft: „Das glaube ich Ihnen nicht!“

„Doch, ganz ehrlich!“ behauptete Kühnert. „Ich bin kein gläubiger Mensch…“

Interessantester Punkt

Die Erklärung des Juso-Chefs: „Wir haben ein Wahlergebnis, was blöd gelaufen ist, und jetzt kommen wir an und führen eine Personaldiskussion darüber, wer an der Spitze von 152 Bundestagsabgeordneten der SPD sitzt!“

„Aber wer führt denn diese Diskussion?“ stichelte die Talkmasterin.

„Naja, die SPD-Bundestagsfraktion, von der ich kein Teil bin“, erwiderte Kühnert. „Es ist ein Blitzableiter, weil die Unzufriedenheit natürlich groß ist…“

Deutlichste Drohung

„Ob Frau Nahles da nächsten Dienstag oder ob jemand anders an der Spitze der Fraktion sitzt!“, fügte Kühnert hinzu, „die entscheidende Frage ist doch, mit welchem Kurs, mit welcher Strategie verbindet sich das am Ende?“

Seine Forderung: „Es sind jetzt diejenigen, die für die Große Koalition waren, am Zug, sehr präzise zu begründen, welche Hoffnung sie eigentlich noch mit dieser Koalition verbinden. Ich bin gespannt auf diese Argumente! Und ich erwarte, dass am Ende unser höchstes Gremium, der Parteitag, darüber befindet!“

Klügste Analyse

„Warum verteidigt Herr Kühnert Frau Nahles?“ fragt der Journalust Robin Alexander („Die Welt“) und gab selbst die Antwort. „Das liegt daran, dass er sie erst im Dezember stürzen will, wenn er die Große Koalition abräumen will. Sie jetzt zu stürzen, käme für Herrn Kühnert zu früh!“

Die Mundwinkel des Juso-Chefs zuckten, aber er hielt sich mit einer Antwort zurück. Stattdessen sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff: „Es gibt neben dem ganzen Geplänkel noch eine Aufgabe, nämlich zu regieren und diese Demokratie stabil zu halten! Die Volksparteien werden überleben.“ Punkt!

„Die Union ist in schweren Wassern, die SPD schon am Ertrinken“, hatte der „Welt“-Journalist gleich zu Beginn gesagt. „Die Leute gehen lieber zu den Parteien, wo sie klare Antworten bekommen“, stellte die ARD-Journalistin Marion von Haaren fest, die 1982 einen „Jugend forscht“-Sonderpreis für die Doku „Krebserregende Stoffe in der Reifenproduktion“ errungen hatte.

Der für „Die Partei“ ins Europaparament gewählte Satiriker Nico Semsroth saß mit seiner schwarzen Kapuze neben der Talkmasterin wie der Sensenmann, den er gern spielt, und spottete: „Dass ich hier eingeladen bin, halte ich für ein Alarmsignal!

Maischberger verspottete „Die Partei“ als „Heiopei“-Partei. Das findet Semsroth erstmal gar nicht lustig: „Wir sind keine Heiopei!“

Dann aber haute der Hoodie-Humorist einen raus: „Wir meinen Politik ernst, aber unsere Kommunikation ist satirisch. Bei den anderen Parteien ist es umgekehrt!

Dialog des Abends

Bei seiner nächsten Nummer wollte Semsroth auf Kosten der CDU punkten: „Veraltete Werte!“ schnaubte er.

Haseloff grätscht gleich mal dazwischen: „Nächstenliebe?“ fragte er sanft.

„Wird nicht umgesetzt!“ behauptete Semsroth einfach mal so.

„Sozialstaat?“ schlug Haseloff als nächstes vor.

Das passt dem Satiriker ebenfalls nicht. „Patriarchalische Machtstrukturen!“ schimpfte er stattdessen.

„Aber da sind doch Frauen bei uns an der Spitze?“ wunderte sich Haseloff und machte den Punkt.

Härteste Attacke

„Welt“-Alexander brachte das Kommunikationsproblem der Volksparteien am Beispiel der schwedischen „Klima-Greta“ auf den Punkt: „Niemand ist bereit, zu sagen, Greta, du hast nicht recht, wir haben einen Plan!“

Kühnert, von Anfang an erkennbar auf Krawall gebürstet, kritisierte vor allem die Reaktion der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auf das Schmäh-Video des Youtubers „Rezo“: „Sie hat sich verrannt! Sie hat nicht die Größe, einzugestehen, dass sie einfach Blödsinn gesagt hat!

Geharnischste Gegenrede

Mit seinen nächsten Sprüchen trat Satiriker Semsroth gleich auf mehrere Minen. Als er über den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik schwafelte, ging Kühnert hoch: „Das ist ein heftiger Vorwurf!“ wetterte er. „Der trifft mich persönlich!“

Danach wollte Semsroth den „Welt“-Journalisten vorführen und lief voll in eine Respektschelle: „Das ist Kabarett unter Ihrem Niveau!“ beschwerte sich Alexander. „Sie wollen nur einen billigen Gag machen!“

Schönste Wortschöpfungen

Über die Diskussion der Großen Koalition zum Mindestlohn sagte Kühnert: „Das Laber-Rhabarber will keiner mehr hören!“ Die ARD-Journalistin wiederum erklärte die AfD-Erfolge damit, dass im Osten „der Hoffnungsüberschuss nicht mehr existiert.“ Wow!

Die interessanteste Feststellung zum Schluss: „Die Jusos haben noch mehr Mitglieder als die Grünen“, sagte Kühnert, „um die Kräfteverhältnisse mal klarzurücken!“

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