Warum Plasberg mit seiner Talkshow komplett daneben lag

Dienstag, 4. Juni 2019
Pflege-Helfer (v.l.): Franziska Giffey, Jens Spahn, Hubertus Heil © WDR/Oliver Ziebe

„Hart aber Fair: Beispiel Pflege: Was schafft die GroKo noch?“ ARD, Montag, 3.Juni 2019, 21 Uhr.

ARD-Talkmaster Frank Plasberg hat in seiner Talkshow „Hart aber Fair“ ein entlarvendes Beispiel öffentlich-rechtlicher Planwirtschaft geliefert.

Statt die grassierende Regierungskrise in Berlin, die immer mehr Bürger beunruhigt, zum Thema zu machen, hielt der altgediente TV-Mann stur an seinem ursprünglichen Konzept fest und ließ die seit lange eingeladenen Gäste im Stil eines Infomagazins über die Probleme der Pflege diskutieren.  

Die Koalition am Abgrund, der Wähler auf Zinne, die Jugend kurz vor den Revolte, die Volksparteien in Panik, die Sozialdemokratie über Nacht kopflos: Das alles kam bei Plasberg nur am Rande vor.

Simple Erklärung für den meilenweiten Vorbeischuss: Vor einem Jahr hatten drei Minister verabredet, gemeinsam etwas für die Pflege zu tun, und jetzt wollen/sollen sie ihre Bilanz loswerden. „Das war von langer Hand geplant!“ erklärt Plasberg unverfroren. Planfernsehen à la ARD!

Folge: Familienminister Franziska Giffey, Arbeitsminister Hubertus Heil und Gesundheitsminister Jens Spahn standen, so der ARD-Journalist Gottlob Schober, bei „Report Mainz“ als Chef vom Dienst am Werk, „wie ein Marketing-Tool“ vor dem TV-Publikum.

Das wurde Giffey, Heil und Spahn allerdings nicht gerecht: Sie stehen eher da wie die drei Weisen aus dem Sorgenland.

Schon der verquaste Sendetitel „Beispiel Pflege: Was schafft die GroKo noch?“ entlarvte den linkischen Versuch, sich um die fällige Programmänderung zu drücken.

Zum Start ein schlechter Witz

Plasberg musste mächtig rudern, um dem Publikum seine Fehlentscheidung als kluge Idee zu verkaufen: „Es gibt tatsächlich noch andere Probleme als den Klimawandel“, fing er an.

Dann schob er, auf dass das drohende GroKo-Ende nicht völlig unerwähnt bleibe, noch ein schales Späßchen nach: „Herr Heil, würden Sie für den Weg in Ihr Ministerium noch eine Monatskarte für den Bus kaufen?“

Statt Selbstkritik Presseschelte

Giffey wollte mit einem Sympathiebeweis für ihre rausgeekelte Parteichefin punkten: „Es wäre gut, wenn Frau Nahles etwas länger…“ Gnädiger Beifall war der Lohn für dieses späte Trostpflaster.

Heil wiederum nutzte die Chance, den Schwarzen Peter von der Politik zu den Medien zu schieben: „Es hat Kommentare von Journalisten gegeben, die waren unter der Gürtellinie!“ empörte er sich im wohlgeübten Blitzableiter-Modus.  

Durchhalteparole mit Kraftwort

Spahn inszenierte sich als Macher: „Die GroKo hat den verdammten Auftrag, zu regieren!“ schleuderte er in die Runde.

Und wie? Das wurde schnell klar: In langen öden Talk-Minuten ging es um „fachpraktische Ausbildungsplätze“, „Pflegelohnuntergrenze“, „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ oder „staatliche Gewährleistungsverantwortung“. Puh!

Rüffel des Abends

Pflege-Unternehmer Meurer schob das Zoff-o-Meter an: „Das Problem ist, dass uns Fachkräfte fehlen“, zürnte er. Das predigt er schon seit Jahren, und mit den bisherigen Maßnahmen ist er überhaupt nicht zufrieden.

Spahn reagierte sauer: „Immer wenn was passiert, ist’s zu wenig, reicht’s nicht, gibt’s Genörgel!“ wetterte er. „Ich fänd’s mal gut, wenn wir aus dem Genörgel rauskämen, in eine konstruktive Debatte!“

Härteste Kritik

Meurer schimpfte trotzdem weiter und prügelt auf einen ein, der gar nicht dabei war: Heiko Maas. „30.000 Krankenschwestern auf den Philippinen, hochqualifiziert, müssen ein Jahr warten, bis sie die deutsche Botschaft überhaupt betreten dürfen!“ polterte der Pflege-Profi. „Und wenn die dann endlich in Deutschland sind, haben sie nochmal zehn, zwölf Monate Anerkennungsverfahren! Offenbar fehlt dem Herrn Maas die Bereitschaft, sich von den diplomatischen Höhen mal in die Realität zu bewegen!“

„Das ist eine schwierige Materie!“ fiel Plasberg dazu ein.

Interessantester Vergleich

ARD-Schober warb für mehr Gewerkschaftspower: „Ich habe immer gesagt: Wenn ihr euch organisieren würdet, könnten ihr als Pflegekräfte mächtiger sein als Piloten und Lokführer zusammen!“

Die Silke Altenpflegerin Behrendt-Stannies setzte noch einen drauf: „Wenn Lokführer oder Piloten streiken, dann regen sich Menschen auf, dass sie nicht von A nach B kommen. Ohne Pflegekraft kommt man noch nicht mal vom Bett bis zum Klo!“

Wichtigstes Versprechen

Wir werden während dieser Legislaturperiode, und die geht bis 2021, zu besseren Lohn- und Gehaltsbedingungen kommen“, gelobte Heil den Gästen aus der Pflege ins Auge. „Die Zusage haben Sie! Von mir, an dieser Stelle! Das ist mein Ziel!“

Kleine Einschränkung Heils: „Ich habe es nicht allein in der Hand - wir alle drei nicht…“ Auch die Tarifpartner müssten mitziehen.

Flaues Finale

Altenpflegerin Behrend-Stannies blieb skeptisch: „Auch im Schneckentempo kann man gegen die Wand fahren.

Giffey flötete noch mal Harmonie: „Diese Regierung ist nicht gewählt worden, um sich zu streiten, sondern um ihren Job zu machen!

Und Plasberg versteckte seine fatale Programmentscheidung hinter einem ungewöhnlich platten Spruch: „Eine ungewöhnliche Sendung an einem ungewöhnlichen Tag!“ Dann reichte er sein Publikum an die „Tagesthemen“ weiter, in denen es prompt voll um die neue SPD-Dreierspitze ging. Halleluja!

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