Großer GroKo-Zoff bei Maybrit Illner

Freitag, 7. Juni 2019
ZDF-Rederunde (v.l.): Philipp Amthor, Annalena Baerbock, Markus Söder, Maybrit Illner, Malu Dreyer, Katharina Nocun, Hajo Schumacher © ZDF/Jule Roehr.

„Maybrit Illner: GroKo in der Sackgasse – letzte Ausfahrt Neuwahl?“ ZDF, Freitag, 7.6.2019, 22.15 Uhr,

Die SPD-Politikerin Malu Dreyer, Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz und Übergangs-Co-Chefin ihrer Partei, hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag den Wunsch deutlich gemacht, ohne und gegen die Union zu regieren.

Ich würde mich freuen, wenn es uns mal wieder gelingen würde, Mehrheiten jenseits der CDU zu finden“, erklärte Dreyer. „Das wäre auch für Deutschland mal gut!“

Eine Erneuerung ihrer Partei hält die Sozialdemokratin allerdings auch in der GroKo für möglich. Einem vorzeitigen Rückzug aus dem Regierungsbündnis erteilte sie eine klare Absage: „Wir sind vertragstreu!“

Die CDU erstmals hinter den Grünen, die SPD gleichauf mit der AfD: Für die Volksparteien wird es brenzlig!

Kräftigste Rempelei

Der Ministerpräsident und Parteichef Markus Söder (CSU)

startet mit einem Eigenlob in die Debatte und rühmt das CSU-Resultat über den Schellenkönig: „40 Prozent, das ist eins der besten Ergebnisse in Europa!“

Dann aber rammte der Mia-san-Mia-Politiker die SPD gleich mal mit einem Bodycheck in die Bande: „Die Aufgabe für die GroKo ist, neuen Schwung zu bekommen“, sagte er in Richtung seiner SPD-Kollegin, „und nicht, sich feige vom Acker zu machen!“

Durchhalteparole des Abends

„Unsere Lage ist extrem ernst“, gab die Mainzer Ministerpräsidentin zu. „Aber wir sind weder tatenlos noch kraftlos!“

Der Journalist Hajo Schumacher feierte den Grüne-Chef Robert Habeck als „Germany’s next Kennedy“. Der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor behauptete keck: „Niemand braucht Angst vor Neuwahlen zu haben!“

Prompt ging der Zoff los

Journalist Schumacher gab dem CDU-Mann Saures: „Sie klingen wir Wolfgang Bosbach“, spottete er, „und das in Ihrem Alter!“

Sein Vorwurf galt Amthors geplanter, dann aber abgesagter Video-Antwort auf den „Youtube“-Blogger „Rezo“(„Die Zerstörung der CDU“). „Sie hätten eine Legende werden können!“ sagte Schumacher nun zu dem CDU-Abgeordneten, „aber Mutti hat’s verboten…“

Persönlichste Hiobsbotschaft

Die Grüne-CoChefin Annalena Baerbock wollte lieber über ihr Leib-und-Magen-Thema reden: „Es wäre an der Zeit, Europa zur Klima-Union zu machen!“

Die Bloggerin Katharina Nocun, einst Geschäftsführerin der Piratenpartei, machte sich andere Sorgen: „Ich gehe davon aus, dass ich noch mit weit über 70 arbeiten und trotzdem in Berlin meine Miete nicht bezahlen können werde!“

Mutigster Spagat

Gleich drei Damen hatten sich in unterschiedliche Töne zwischen Rot und Blau gehüllt: Baerbock in Burgunder, Illner in einer Art Magenta, Dreyer in Flieder. Neue Trendfarben der Polit-Szene?

Die Ministerpräsidentin warf das Netz besonders weit in den Teich der Talkthemen: „Wir haben immer Klimapolitik gemacht!“ behauptet sie kühn. „Ich kann mir keine soziale Gerechtigkeit vorstellen ohne ökologische Gerechtigkeit!“ Soll das die neue SPD-Zauberformel werden?

Schlimmste Panikattacke

Baerbock wiederum wollte mehr sein als nur die altbekannte Ökopazifistin. „Wir müssen Druck machen!“ rief sie und redete über Rente und Kinderarmut, kehrte dann aber rasch zu ihrem Paradethema zurück: „Beim Klimaschutz kommt es auf jeden Tag an!“ orgelte sie.

Dann fetzte sie sich tüchtig mit der SPD-Kollegin: Die Grüne pusht das Klima-Thema stets ohne Rücksicht auf Verluste, die Rote dagegen möchte möglichst viele Menschen mitnehmen.

Windigster Dialog

Auch mit dem Bayern liefert sich Baerbock ein Rededuell: „Sie blockieren den Ausbau der erneuerbaren Energien!“ warf sie ihm vor. Söder behauptet das Gegenteil und konnte das auch beweisen. Des Rätsels Lösung: Die Grüne redet von Wind-, der Schwarze von Sonnenkraft.

Überraschendste Kapitulation

Am Mittwoch hatte Finanzminister Olaf Scholz Prügel für seine Ansicht bezogen, es könne nach der nächsten Bundestagswahl einen SPD-Kanzler geben. Dreyer ist deutlich vorsichtiger: „Mir geht es nicht darum, dass wir den Kanzler stellen“, erklärte sie, „sondern darum, ein neues Profil zu entwickeln!“

„Es braucht eine starke sozialdemokratische Partei in diesem Land!“ sagte Baerbock ihrerseits über die schwächelnden Koalitionspartner von einst.

Feinsinnigste Bosheit

Die Talkmasterin zitierte Äußerungen, die SPD wolle künftig mit ihren Vorsitzenden solidarischer umgehen, und fragte den CSU-Chef dan in ihrem typischen Schalk-und-Schelm-Stil: „Haben Sie in Hinblick auf Ihre eigene Karriere vielleicht Tipps, wie man das souveräner und menschlicher macht?“

Söder amüsierte sich, kehrte aber gleich wieder zum Ernst zurück: „Die Performance der GroKo war nicht sehr gut“, räumte er ein, „aber die Ergebnisse sind gut. Andere Länder wären froh, wenn sie eine so stabile Regierung hätten!“

Klarste Absage

Zum Schluss stellte Illner dem CSU-Chef die K-Frage: „Könnte ein Scheitern von Annegret Kramp-Karrenbauer Ihnen die Kanzlerkandidatur zuspielen?“

Doch Söder räumte das Thema mit einem Kürzest-Kommentar ab: „Nee!“

Bester Konter

Zum Schluss wollte die SPD-Politikerin noch etwas loswerden: „Von dem einen Jahr Große Koalition hat uns die Union ein halbes Jahr permanent in Atem gehalten!“ beschwerte sie sich. Söders kühle Antwort: „Das ist auch gut so!“

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