Hart aber Fair: Klöckner zofft sich mit Plasberg

Montag, 15. Juli 2019
Klima-Kombattanten (v.l.): Franz Prinz zu Salm-Salm, Joachim Rukwied, Julia Klöckner, Sven Plöger, Franz Alt © WDR/Max Kohr

„Hart aber Fair: Dürre Felder, brennende Wälder: ist das noch Wetter oder schon unsere Zukunft?“ ARD, Montag, 15.Juli 2019, 21 Uhr.

Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Julia Klöckner (CDU) hat sich in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ in einem Wortgefecht gegen Talkmaster Frank Plasberg klar durchgesetzt.

Im Lauf der Sendung hatte der Talkmaster die Politikerin mehrmals so brachial ausgebremst, dass sie sich schließlich beschwerte: „Der Herr Plasberg! Immer unterbricht er mich!“

Nach einer Meinungsverschiedenheit zwischen Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied und Klöckner spottete Plasberg dann über einen „Chorgesang zwischen Landwirtschaftsministerin und Bauernboss“.

Machen Sie sich mal locker!“ rief Klöckner dem Talkmaster daraufhin zu.

Plasberg rächte sich umgehend mit einer Stichelei: „Wer weiß, ob Sie Weihnachten noch Ministerin sind!

Doch Klöckner blieb die passsende Antwort nicht schuldig: „Wer weiß, ob Weihnachten Ihre Sendung noch läuft!“ ätzte sie zurück und hatte die Lacher auf ihrer Seite.

Zum Start ein Stakkato

Zu Beginn der Sendung hatte Franz Prinz zu Salm-Salm, Vorsitzender der Forstwirte in Sachsen-Anhalt, losgelegt wie die Waldfeuerwehr: „Die Buchen verlieren den Lebensmut“, klagte er. „Die Feinwurzeln werden abgerissen. Eichen, Lärchen, Fichten machen den Abgang…“

Vorwurf des Adelsmanns, den Plasberg in republikanischer Kürze mit „Prinz Salm“ anredete: „Früher haben wir über das Waldsterben geredet, aber es fand nicht statt. Heute findet es statt, aber keiner redet darüber!“

Schönstes Kollegenlob

Der ARD-Wetterfrosch Sven Plöger schildert die Lage im Experten-Sprech: „Der Klimawandel wird haptisch“, dozierte er. „Es gibt jetzt viel mehr Standwetter.“ Heißt: Die Hochs und Tiefs bleiben länger am Ort, deshalb mehr Nässe und Dürre.

Die Zuschauer applaudierten. „Für gute Erklärungen gibt es hier Beifall!“ würdigte Plasberg den TV-Kollegen.

Dramatischste Warnung

Ex-ARD-Moderator Franz Alt saß wie der Holzmichel aus dem Randfichten-Hit in der Runde: Ja, er lebt noch – und wie! „Ich war überall dort, wo das Eis schmilzt“, berichtete er. Und das schmelze heute „drei Mal so schnell, wie wir noch vor zehn Jahren glaubten“.

Sein prominentester Zeuge sei der Dalai Lama: Der habe ihm gesagt, „wenn die Gletscher im Himalaya verschwinden, gibt es Wasserprobleme für zwei Milliarden Menschen in China und in Indien!“

Schönstes Fachchinesisch

Wetter-Plöger setzte erneut zu einem Fachvortrag an: Durch die „Attributionsforschung“ könne man „den Wetterelementen zunehmend eine Klimakomponente zuordnen“. Uff!

Eigentlich heißt das aber nur, dass man Klima und Wetter jetzt besser verbinden kann. Viele wundern sich ja immer noch, dass ihnen trotz der dramatischen Erwärmungswarnungen oft so kalt ist...

Drastischstes Beispiel

Plasberg zeigte Bilder von Borkenkäfer und Schwammspinner: „Es kribbelt schon beim Hingucken“, gruselte er sich. „Biblische Plagen!“

Prinz Salm schilderte eine Attacke des Eichenprozessionsspinners im Wörlitzer Kulturwald: Ein Arbeiter musste nach einem allergischen Schock mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. In Dessau durften die Leute nur noch mit langen Ärmeln aus dem Haus.

Ehrlichste Beschwerde

Winzerstochter Klöckner, diesmal in Maisgelb, rühmte die Klimaschutzanstrengungen ihrer Zunft: „Die Landwirtschaft ist viel weiter, als viele ihrer Kritiker meinen!“ Ihr Appell: „Wir müssen wegkommen von den Schlagworten, von dem Gegeneinander!“

Über staatliche Fördermittel sagte die Ministerin: „Wir zahlen kein Geld mehr ohne Bedingungen!“ Dabei gehe es um Umweltmaßnahmen, Tierschutz…“

Alt wollte sie abgrätschen: „Das höre ich seit vielen Jahren!“ funkte er dazwischen.

Die Ministerin kontert mit einer kleinen Spitze: „Ich war im Gegensatz zu Ihnen gerade im Agrarrat in Brüssel“, berichtete sie. „Es wird einen Systemwechsel geben. Wer mehr für den Klimaschutz tut, wird belohnt!“

Interessanteste Forderung

Beim Thema Verschwendung erläuterte Klöckner die im Kabinett beschlossene Reduktionsstrategie: Lange Zeit habe es als uncool gegolten, im Restaurant übrig gebliebenes Essen nach Hause mitzunehmen. Das müsse sich schleunigst ändern.

Früher verschämter „Doggybag“, jetzt umweltbewusste Klimatüte?

„Wir müssen die Verbraucher sensibilisieren“, forderte die Ministerin. Und der Einzelhandel müsse nicht verkaufte Lebensmittel bei den Tafeln für Bedürftige abliefern.

Wutanfall des Abends

Prinz Salm stand immer noch im Wald: „Die Gesellschaft interessiert sich einen Dreck für uns!“ polterte der Adelsmann. „Wir sind die CO2-Senker Nummer 1, aber ich habe noch nie so viele weinende Waldbesitzer gesehen!“

Alle möchten sich im Wald erholen, aber keiner wolle was dafür zahlen: „Wir sind eine Trittbrettfahrergesellschaft!“

Schönstes Zitat

Das sah auch Plasberg so und zitierte „einen Soziologen“, der solchen Leuten „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“ attestiere. Es war, schon 1986, der inzwischen verstorbene Ulrich Beck.

„Der Baum, den ich heute nicht pflanze, fehlt meinen Enkelkindern“, sagte Klöckner. Und: „Windräder in Wälder setzen, wo wir dafür Bäume abholzen, das ist auch nicht die richtige Logik!“ Ihre Forderung: „Minimum 600 Millionen Euro“ für ein Wiederaufforstungsprogramm, „damit die kommende Generation gut atmen kann und ein gutes Klima hat.“

Griffigste Formulierung

Alt haute noch einen Spruch raus: „Klimaschutz kostet“, sagt er, „aber kein Klimaschutz kostet die Zukunft!“ Der Öko-Oldie setzt nicht wie die Politik auf eine Klimasteuer, sondern auf knallharte Verbote: „Die Kinderarbeit ist ja auch nicht abgeschafft worden durch eine Steuer auf Kinderarbeit!“

Die Ministerin war trotzdem anderer Meinung: „Politiker sind nicht die Erziehungsberechtigten der Bürger“, erwiderte sie. „In der Prohibitionszeit wurde der Schnaps verboten, und die Folge war: Es gab schlechten Schnaps!

Ungewöhnlichstes Schlusswort

„Meine Waldbesitzer sagen: Wenn der Staat uns alles vorschreibt, zeigen wir ihm mal, was ‘ne Harke ist!“ drohte Prinz Salm.

Plasberg wollte den Talk mit einem neuen Trend aus Japan friedlich ausklingen lassen: Waldbaden. Ein Einspieler zeigte Menschen, die an Bäumen schnuppern, sie befummeln, sich an sie schmiegen, die Rinde küssen.

Für Alt war das nicht neu: „Das mache ich jeden Tag eine Dreiviertelstunde lang“, erklärte er. „Deshalb geht es mir mit achtzig besser als mit siebzig!“ 

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